• Dr. med. Ulrike Korth

Naturheilkunde Teil I


Lassen Schmerzen trotz Therapie oder sogar Operation nicht nach, werden sie chronisch, heißt es oft: ich muss damit leben. Aber wie soll das gehen? Selbstwirksamkeit entwickeln: was kann ich tun, damit es mir besser geht? Einsatz von Naturheilverfahren, aber welche und wie? Das sind Wege, die wir Ihnen zeigen wollen.



Überblick: konventionelle Medizin - Naturheilverfahren


In diesem Beitrag möchte ich Ihnen erstmal einen Überblick geben. Was versteht man eigentlich unter „Schulmedizin“ oder Naturheilverfahren?

Konventionelle Medizin, „Schulmedizin“ arbeitet pathogenetisch, d.h. durch Erkennen und Behandlung / Beseitigung der krank machenden = pathogenen Faktoren.

Die Ärzt*innen handeln aktiv, die Patient*innen sind oft nur passiv am Heilungsprozess beteiligt. Die konventionelle Medizin hat ihre klare Notwendigkeit in der Diagnostik und Behandlung schwer erkrankter Menschen und in der Notfallmedizin. Ihre Wirkung ist meist schnell und spezifisch und möglichst durch wissenschaftliche Studien belegt (= evidenzbasiert).




Naturheilverfahren arbeiten meist salutogenetisch (salus , lateinisch = Gesundheit, Wohlbefinden, Glück), d.h. dem Erhalt bzw. Wiedererlangen von Gesundheit und Wohlbefinden verpflichtet. Der Blick zielt also nicht so sehr auf die krankmachenden Ursachen sondern auf die Ressourcen und Möglichkeiten, die Menschen haben, um die Erkrankung / Verletzung selbst zu heilen oder damit möglichst gut zu leben.

Naturheilverfahren setzen Reize (z.B. Kälte, Wärme, Nadelstiche bei der Akupunktur) auf die der Körper reagiert. Man spricht von einer Reiz-Reaktionstherapie. Damit werden die Selbstregulations- und Selbstheilungskräfte gefördert.

Diese Wirkung ist also indirekt, dauert damit länger, ist aber oft nachhaltig.

Bei leichten Erkrankungen und Störungen des Wohlbefindens bieten Naturheilverfahren ein großes Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten, bei denen man selbst aktiv tätig werden kann und muss.


Komplementärmedizin arbeitet ergänzend


Der Einsatz von Naturheilverfahren kann bei schweren Erkrankungen / Verletzungen nur komplementär = ergänzend sein, integriert in die konventionellen medizinischen Behandlungsmethoden.

Ein entweder – oder, also als eine alternative Behandlung zur konventionellen „Schulmedizin“ darf man die Naturheilverfahren bei schweren Erkrankungen / Verletzungen nicht sehen! Aber integrativ, unterstützend z. B. zur Behandlung von Nebenwirkungen in der Chemotherapie oder auch gegen postoperative Übelkeit haben viele Ärzte auch in der Klinik Naturheilverfahren schon seit langem in ihr Behandlungsspektrum aufgenommen.



Die Wirksamkeit (Evidenz) verschiedener Naturheilverfahren wurde in den letzten Jahren für viele Einsätze wissenschaftlich belegt. Das heißt aber nicht, für alles und jede Indikation! Gerade unter dem Deckmantel der Natur wird mit der Angst vor Krankheit und Nebenwirkungen von Therapien viel Geld erwirtschaftet und noch schlimmer, oft wertvolle (Lebens-)Zeit bis zur wirksamen Behandlung einer Erkrankung verschwendet. Daher wenden Sie sich immer an Ihren Arzt, holen Sie sich ggf. eine Zweit- oder auch Drittmeinung ein, bevor Sie sich auf eine kostspielige und nicht wissenschaftlich etablierte Alternative einlassen!



Was gibt es für Naturheilverfahren?

In der traditionell europäischen Medizin wird u.a. mit

  • Pflanzenheilkunde (Phytotherapie, Aromatherapie)

  • Hydrotherapie: Bäder, Güsse, Auflagen, Wickel

  • Ernährung: Fasten, Diäten

  • Bewegung: Gymnastik, Training, Physiotherapie

  • Klimatherapie: Licht, See-Wald-Berg-Kuren

  • Ordnungstherapie nach Kneipp und Birchner-Brenner

  • Entspannungsverfahren

  • Ausleitende Verfahren (Schröpfen, Entgiftung, Schwitzen u.v.m)

  • Neuraltherapie (Quaddeln, verschiedene Injektionen)

  • Mikrobiologie: z.B. Darmmikrobiom aufbauend

gearbeitet, aus der sich die konventionelle „Schulmedizin“ entwickelt hat.


Medizinsysteme

Zudem gibt es eigenständige Medizinsysteme, wie die Homöopathie, Anthroposophische Medizin oder Medizinsysteme verschiedener Länder und Ethnien, wie z.B. die traditionell chinesische Medizin (TCM) mit Akupunktur, Arzneimitteln, Bewegung (Qigong, Taiji) Massage (Tuina)und Regeln für die Ernährung. Die Japanische Kampo-Medizin unterscheidet sich von der TCM u.a. in der Intensität der Reize und Komposition der Pflanzenheilkunde. In Indien entwickelte sich Ayurveda mit anderen Regeln zur Ernährung basierend auf konstitutionelle Typen, Bewegung (Yoga), Bädern und Massagen.



Daneben gibt es eine große Zahl unkonventioneller, diagnostischer und therapeutischer Einzelverfahren, für die es oft sogar wissenschaftlich belegbare Daten der Unwirksamkeit gibt und die damit wenig Akzeptanz in der klinischen Medizin finden.


Mit Naturheilverfahren kann man die Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung für den Erhalt bzw. das Wiedererlangen von Gesundheit und Wohlbefinden fördern. Damit sind sie besonders gut zur Behandlung chronischer Schmerzen, Angst und Depression einsetzbar.



Darauf werde ich in unserem nächsten Beitrag genauer eingehen.


Herzlich, Ihre Dr. med. Ulrike Korth


(Quelle: E. Vogler, B. Brinkhaus: Kursbuch Naturheilverfahren , 2. Auflage 2017, ELSEVIER Verlag, München.)